Ein Tool, das Teams wieder handlungsfähig macht: der Circle of Influence

3–5 Minuten

Von Lisa Schöffel


Als selbständige Teamentwicklerin begleite ich an manchen Tagen hochproduktive selbstorganisierte und reife Teams. Und an anderen Tagen arbeite ich mit Teams, die aus dem Klagen nicht rauskommen.

Wenn große Veränderungen anstehen und viele unausgesprochene Ängste im Raum sind. Dann drehen sich Teams manchmal mit ihren Sorgen und Problemen im Kreis. Typisch sind: Eine neue Software, die niemand wollte. Einsparungen, die von oben kommen. Eine Entscheidung, die längst gefallen ist – und über die trotzdem weitergeredet wird.

Der Zauber der Einfachheit

Dann ziehe ich gern ein Modell von Stephen R. Covey aus dem Hut oder besser: aus dem Flipchart-Köcher. Covey hat in seinem Klassiker Die 7 Wege zur Effektivität ein sehr einfaches Modell beschrieben. Genau diese Einfachheit macht den Circle of Influence so genial!

Die Grundidee: Es gibt viele Dinge, die uns beschäftigen. Manche davon können wir beeinflussen, andere nicht. Im Circle of Influence werden diese Unterschiede durch drei konzentrische Kreise sichtbar gemacht: Innen liegt der Circle of Control. Darin liegen alle Dinge, die ich komplett kontrollieren kann. Meine Haltung, meine Worte, meine Gedanken. Es ist (leider?) der kleinste Kreis.

Der zweite Kreis ist der Circle of Influence. Hier liegen die Dinge, auf die ich Einfluss habe. Ich kann nicht alles bestimmen aber zumindest mitgestalten. Bei genauer Betrachtung gibt es erstaunlich viele Dinge, bei denen ich zumindest ein wenig Einfluss nehmen kann.

Und ganz außen liegt der Circle of Concern, der größte Kreis. Darin sammelt sich alles, worauf ich keinen Einfluss habe. Das Wetter. Die Politik. Aber auch Entscheidungen der Geschäftsleitung.

Covey stellt fest: Wenn wir uns immer weiter mit den Dingen im Circle of Concern beschäftigen, erschöpfen wir. Weil wir ohnmächtig sind.

Was ein einziges Flipchart bewirkt

Was fast schon trivial wirkt, hat in meinen Team-Workshops eine große Wirkung:

Im Workshop beginne ich damit, alle auf Post-its schreiben zu lassen, was sie im Arbeitsalltag gerade besonders beschäftigt oder besorgt.

Dann erkläre ich das Modell.

Und dann sortieren wir gemeinsam die Zettel in die Kreise. Entweder kann jede Person ihre Zettel selbst einkleben oder wir gehen die Punkte im Plenum einzeln durch und überlegen, wo sie hinpassen.

Die Wirkung ist erstaunlich:

Punkt 1: Die Sorgen werden offenbar. Allein das ist wertvoll, um irgendwann mal über Lösungen sprechen zu können. Denn manchmal müssen Probleme einfach Raum bekommen.

Punkt 2: Die Sorgen werden sortiert. Eine Ordnung wirkt immer positiv auf Teilnehmende, weil es eine (sehr einfache) Form der Kontrolle ist.

Punkt 3: Die Themen, an denen das Team nicht arbeiten kann (Circle of Concern) trennen sich von denen, auf die es Einfluss hat.

Verändertes Denken

Vor allem aber wird dem Team bewusst, dass es ganz schön viele Dinge gibt, auf die sie Einfluss haben. Im Workshop kann ich hier anknüpfen und in die Lösungsfindung übergehen.

Die Punkte in den inneren beiden Kreisen des Circle of Influence werden zur Arbeitsgrundlage. Die Teilnehmenden können zum Beispiel paarweise überlegen, was sie konkret tun können. Oder im Plenum gemeinsam priorisieren, welche Themen sie als Gruppe anpacken wollen. Der Weg zu echten Lösungen ist frei.

Von Ohnmacht zu Selbstwirksamkeit

Am Ende geht es um etwas, das Teams dringend brauchen und selten bekommen: das Gefühl, handlungsfähig zu sein. Der Psychologe Albert Bandura hat das Konzept der Selbstwirksamkeit geprägt. Gemeint ist die Überzeugung, dass ich mit meinem Handeln tatsächlich etwas bewirken kann. Dass mein Tun einen Unterschied macht.

Bandura hat gezeigt: Wer glaubt, wirksam zu sein, bleibt länger dran, geht mutiger in Herausforderungen und erholt sich schneller von Rückschlägen.

Deshalb sind Selbstwirksamkeit und auch der Circle of Influence in vielen Resilienz-Workshops wichtiger Bestandteil (auch in meinen eigenen Change-Workshops).

Aber auch in der Selbstreflexion hilft der Circle of Influence, die Gedanken zu sortieren und den Fokus auf das zu richten, wo du wirksam bist: deinen Einflussbereich.

Reflexionsfrage: Welche Themen beschäftigen dich gerade am meisten und wie viel davon liegt tatsächlich in deinem Einflussbereich?



Fotos: Cathrin Rieger,Grafik: KI, Lisa Schöffel (Flipchart, AutorInnen-Foto)




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